Berlin Strategy ist ein blog von Stefan Steinicke. Er Analysiert politische, Wirtschaftliche, Technologische und Gesellschaftliche Makrotrends und ihre Auswirkungen auf globale Machtverhältnisse.

Die Rückkehr des Chaos: Geopolitik im Jahr 2025

Willkommen in der neuen Weltunordnung

A community of nations is today the stuff of fairy tales.“


War has returned to our world. The age of conquering empires has returned.“


We are heading back to the law of the jungle. A world where the strongest do what they can, while the weakest are condemned to suffer what they must.

Diese drei Zitate fangen die aktuelle geopolitische Lage Anfang 2025 treffend ein. Der Traum von einer zunehmend regelbasierten und kooperativen Weltordnung scheint zerbrochen, und wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Weltunordnung. Doch wie konnte es soweit kommen?

Die Ursachen der neuen Weltunordnung

Die einfache Antwort: Die Weltgemeinschaft ist führungslos. Weder die USA noch China, weder die G7, die G20 oder BRICS sind gewillt oder in der Lage, eine globale Agenda zu setzen und die internationale Ordnung aufrechtzuerhalten. Das Ergebnis ist das Ende der bisherigen internationalen Ordnung. Dort, wo Ordnung schwindet und ein Machtvakuum entsteht, versuchen neue Akteure, ihren Einflussbereich auszudehnen. Dieser Prozess verläuft chaotisch, ungeordnet und unvorhersehbar. Willkommen in der neuen Weltunordnung.

Neue Realitäten: Worauf wir uns einstellen müssen

In diesem neuen Zeitalter der Unsicherheit sehen wir mehrere besorgniserregende Trends:

1 Eine Schwächung der globalen Sicherheits- und Wirtschaftsarchitektur: Die bisher tragenden Säulen internationaler Stabilität verlieren an Einfluss und Effektivität.

2 Entstehung und Ausweitung von Machtvakuen: Regionen wie der Nahe Osten, Teile Afrikas und Südostasien kämpfen mit zunehmender Instabilität.

3 Aufstieg von Schurkenstaaten und -akteuren: Diese werden durch das Chaos ermutigt, ihre eigenen Interessen aggressiver zu verfolgen.

4 Höhere Risiken von Konflikten und Fehlkalkulationen: Unfälle und Missverständnisse könnten schneller in größere Konflikte eskalieren.

Die Krise internationaler Institutionen

Ein zentraler Grund für die Verschärfung der Weltunordnung ist die Krise der internationalen Institutionen. Organisationen wie die UNO, die WTO oder der IWF spiegeln nicht mehr die heutige Machtbalance wieder. Dies führt dazu, dass sie an Legitimität und Effektivität verlieren. Die Konsequenzen sind fatal: Regeln und Normen, die einst Stabilität garantierten, werden ignoriert oder ausgehöhlt.

Drei Szenarien für die Zukunft

Wie können wir aus dieser Lage herauskommen? Es gibt drei Optionen:

1 Reform bestehender Institutionen: Sie müssen so angepasst werden, dass sie wieder effektiver agieren und Legitimität gewinnen.

2 Aufbau neuer Institutionen: Alte Strukturen könnten ersetzt werden durch innovative, an die heutige Zeit angepasste Organisationen.

3 Zerstörung der bestehenden Ordnung und Schaffung neuer Regeln mit Gewalt: Leider deutet vieles darauf hin, dass wir uns in Richtung dieser Option bewegen.

Die Rolle der USA und Chinas in der Umbruchphase

Werfen wir einen Blick auf die beiden wichtigsten Akteure dieser Zeit: die USA und China. Beide großen Mächte stehen im Zentrum der geopolitischen Dynamiken, doch sie agieren unterschiedlich.

Die USA: Der Rückzug der USA aus ihrer traditionellen Rolle als globaler Polizist hat die internationale Ordnung destabilisiert. Das Mantra „America First“ unter Trump hat gezeigt, dass rohe Macht und Wettbewerb zunehmend die Regeln ersetzen. Wie der ehemalige nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster und Gary D. Cohn in einem Artikel formulierten: „The world is not a global community governed by rules and institutions but an arena where nations, nongovernmental actors and businesses engage and compete for advantage.“

China: Auch China kann die existierende internationale Ordnung nicht stabilisieren. Innenpolitische Herausforderungen – wie die alternde Bevölkerung und eine schwächelnde Wirtschaft – behindern seine Fähigkeit, eine führende Rolle einzunehmen. Gleichzeitig gibt es in China Stimmen, die die aktuelle Zeitenwende als Chance sehen, Macht neu zu definieren: „The old order is swiftly disintegrating, and strongman politics is again ascendant among the world’s great powers. Countries are brimming with ambition, like tigers eyeing their prey.“

Was folgt daraus?

Die neue Weltunordnung zwingt Unternehmen, Staaten und Organisationen dazu, ihre Strategien anzupassen. Kooperation auf globaler Ebene wird schwieriger, was wiederum die Komplexität für alle Akteure erhöht.

Unternehmen müssen sich stärker auf geopolitische Risiken einstellen – sei es durch Diversifizierung ihrer Lieferketten, den Aufbau regionaler Partnerschaften oder durch gezielte Lobbyarbeit. Staaten sollten in Resilienz investieren, sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch, und gleichzeitig Allianzen suchen, die auf gemeinsamen Interessen basieren, anstatt auf universellen Idealen.

Der wichtigste Schluss jedoch ist: Es braucht eine neue Generation von Führungspersönlichkeiten und Visionären, die den Mut haben, in dieser chaotischen Welt positive Impulse zu setzen. Ohne solche Akteure droht die Welt noch tiefer ins Chaos abzurutschen.

Metallkrise in Sicht